Autoindustrie entdeckt Carsharing

In manchen Städten drohen demnächst Fahrverbote, die Diesel-Problematik verunsichert weiter Fahrzeughalter, Städte und Kommunen. E-Autos sollen Abhilfe schaffen, nur sind die teuer, haben zu wenig Reichweite und viele Ladestationen gibt es immer noch nicht. Trotzdem deutet vieles darauf hin, dass sich in den nächsten Jahren in der Mobilitätswelt vieles grundlegend ändern wird. Die Autohersteller wissen, dass sie ihr Portfolio für die Zukunft neu ausrichten müssen, um Kunden bei der Stange zu halten.

Bislang machte die Autoindustrie Milliardenumsätze mit dem Verkauf von Fahrzeugen, die im privaten Besitz sind. Doch dieses Geschäftsmodell gerät nun in Bedrängnis. Die Automobilbranche sieht sich einem radikalen Wandel ausgesetzt: Die Digitalisierung ermöglicht schon heute Carsharing- oder Mitfahrmodelle und öffnet neue Vertriebswege für StartUps, Technologieunternehmen und private Autobesitzer.

Allein durch Carsharing (ohne autonomes Fahren), fallen je nach Studie* pro Fahrzeug in der geteilten Flotte bis zu 15 private Autos weg. Bei autonomen Flotten würde diese Zahl wohl noch deutlich steigen. Ein gigantischer Umsatzeinbruch im klassischen Geschäft wäre die Folge für die gesamte Branche.

Nutzen statt besitzen – dieser Verhaltenswandel bei Autofahrern wird die Automobilindustrie in Zukunft stark ändern. Das Prinzip des miteinander Teilens ist uralt und inzwischen ein neuer Trend mit einem eigenen Namen: Sharing Economy. Und jeder dritte Deutsche nutzt inzwischen Sharing-Angebote. Ein wichtiger Bereich dabei: das Auto. 19 Prozent der 19-28-Jährigen nutzt Carsharing,

Aktuell steht ein Auto statistisch gesehen 23 Stunden am Tag – davon einen großen Teil im öffentlichen Straßenraum. Warum soll also ein Berliner für viel Geld ein Auto kaufen, wenn er nur eine Stunde täglich damit fährt und keinen Parkplatz findet? Um sich auf diese Zukunft vorzubereiten, experimentieren daher auch die etablierten Hersteller mit Carsharingmodellen.

Und das System »Carsharing« boomt. Wie der zuständige Bundesverband (bcs) in Berlin mitteilte, waren zum Jahreswechsel mehr als 1,7 Millionen Bundesbürger bei den Anbietern registriert. Das sei ein Plus von 36 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Carsharing-Markt wächst also – und das liegt vor allem daran, dass immer mehr Nutzer stationsunabhängige Autos ausleihen. Das ist das Ergebnis einer Erhebung des Bundesverbands Carsharing.

Vor allem junge Menschen wollen keine Autos mehr besitzen. Sie nutzen Carsharing oder eben Bus, Rad oder Bahn – oder kombinieren die unterschiedlichen Transportangebote nach Bedarf. Autofahren im Alltag ja – aber ein eigenes Auto? Muss nicht mehr sein…
Das Mobilitätsverhalten wird vielfältiger werden. Dementsprechend stellen sich die Autokonzerne auf ihre neue Kundschaft und das neue Nutzungsverhalten ein.

Daimler und BMW haben beim Carsharing bereits Erfahrungen gesammelt – und zählen inzwischen zu den Marktführern in Deutschland. Die BMW-Tochter hat über 5.500 Autos in 8 Ländern und 12 Städten im Einsatz und zählt über 875.000 Kunden. Die Daimler-Tochter Car2go ist in über 26 Standorten weltweit mit über 13.900 Autos aktiv.

E-Mobilität und Carsharing gelten daher als zwei zentrale Zukunftstrends in der Automobilbranche. Die Mobilitätsdienstleister sind dazu aufgefordert, ihr Angebot hinsichtlich Antriebssystemen, Elektromobilität & Infrastruktur, stationsgebundene / stationsungebundene Angebote, Konkurrenzsituation und Marketing & Kommunikation fit für die Zukunft zu machen

Mehr über Trends, Aussichten und Chancen in der Mica Untersuchung »Studie zur Shared Mobility in Deutschland und Frankreich«

LDB Mica Research und first mover

LDB Mica Research startet Pilotprojekt: Bürger sind aufgerufen, über die Zukunft des Verkehrs in Hamburger Stadtteilen mitzuentscheiden.

Weniger Parkplatznot, mehr Lebensraum durch alternative Mobilitätskonzepte: Auf diese Ziele könnte man zwei geplante Verkehrsprojekte in Eimsbüttel und Ottensen reduzieren, mit denen von 2017 an die Parkplatzsuche für Bewohner ein Ende haben soll. Mit nachbarschaftlichen Leihwagen-Stationen für Elektroautos und ausreichend Fahrradstellplätzen will der Senat die hochverdichteten Viertel vom automobilen Druck befreien. Die Anwohner sind aufgerufen, sich in diesem Prozess aktiv zu beteiligen und im Rahmen einer Umfrage ihre individuellen Bedürfnisse und Anforderungen mitzuteilen. In einem persönlichen Gespräch soll ermittelt werden, welche Verkehrsmittel die Anwohner bei welcher Gelegenheit nutzen, welche sie bevorzugen und ob ein eigenes Auto bei diesen Überlegungen eine Rolle spielt. Aus den Antworten will der Hamburger Senat ableiten, welche Mobilitätsangebote künftig für die Viertel sinnvoll wären. 

vorher

Verantwortlich für die nun startenden Interviews des Pilotprojekts „first.mover.hamburg“ ist die LDB Mica Research GmbH, die eine vergleichbare Studie auch schon in Berlin durchgeführt hat. Befragt werden jeweils rund 300 Bürger in den Quartieren zu ihren individuellen Mobilitätsbedürfnissen und Gewohnheiten: Wer nutzt wann sein Auto? Unter welchen Bedingungen wären die Anwohner bereit, das Auto auch mal stehen zu lassen und auf andere Verkehrsmittel umzusteigen? Wäre Carsharing, wären Elektro-Autos eine Option? Die Interviews werden von extra geschulten Mitarbeitern geführt. Die Auswertung übernimmt das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), das auch den Fragebogen für den sogenannten Urban Travel Monitor entwickelt hat. 

nachher

Einwohner aus den Pilotgebieten Eimsbüttel und Ottensen können sich noch für Interviews anmelden, und zwar per Mail unter: mobil@steg-hamburg.de, telefonisch unter 040- 43 13 93-38/-52 oder auf der Seite www.firstmover.hamburg/gebiete/index.html

Weitere Informationen zum Projekt: http://www.steg-hamburg.de/stadterneuerung-stadtentwicklung/firstmover.html