Autohändler suchen junge Autofahrer

Autohersteller und -händler bekommen ein weiteres Problem: Pkw-Käufer werden immer älter. Junge Menschen sehen keine Notwendigkeit, sich einen eigenen Wagen anzuschaffen.

Der Auftrag für die A-Klasse-Kampagne ist klar: Die A-Klasse soll für Mercedes-Benz junge Kunden anlocken, die Marke insgesamt verjüngen und der Stuttgarter Premiummarke ein cooleres Image geben. Das scheint insgesamt zu gelingen. Das jedenfalls zeigen aktuelle Ergebnisse einer Studie. Doch kauft die angesprochene Zielgruppe auch das beworbene Auto?

In den hochglanzpolierten Werbefilmen der Autohersteller geben Sprache und Stil der 18- bis 25-Jährigen den Ton an. Doch die Ansprache geht ins Leere, der Versuch, die Jugend vom iPhone weg ins Autohaus zu locken, scheitert: Nicht nur die Autos auf der Straße werden im Schnitt immer älter (9,4 Jahre), auch das Alter der Kunden steigt.

Am 1. Januar 2018 waren von den 46,5 Millionen in Deutschland zugelassenen Pkw 674.978 und somit fast jedes Siebzigste älter als 30 Jahre. Das durchschnittliche Alter der zugelassenen Pkw lag bei 9,4 Jahren und ist demnach im Vergleich zum Vorjahr (9,3 Jahre) erneut gestiegen.

Das Durchschnittsalter der Fahrzeugkäufer ist den zurückliegenden 20 Jahren kräftig nach oben gegangen – stärker als das Durchschnittsalter der Gesamtbevölkerung. Nach Dieselaffäre, Fahrverboten, Rückrufe und angedrohte Zölle erwächst der Autobranche damit ein neues Problem: Der Nachwuchs bleibt weg, zu wenig junge Menschen wollen noch ein Auto kaufen.

Autohersteller und Händler werben vergeblich um junge Kunden

Rund 34 Prozent der Neuwagenkäufer in Deutschland im Januar 2018 waren älter als 60 Jahre! Nur sieben Prozent aller Neuwagen wurden an Menschen unter 29 Jahren verkauft. Bleibt dieser Trend bestehen, wird das Durchschnittsalter der Neuwagenkäufer den Rekord aus 2017 (52,8 Jahre) noch einmal brechen. 1995 lag das Durchschnittsalter eines Neuwagenkäufers bei 46,1 Jahren, 2017 waren es bereits 52,8 Jahre. Ein plus von 14,5 Prozent. Dieser Effekt kann nicht allein mit dem demographischen Wandel in Deutschland erklärt werden. Legte doch das Durchschnittsalter in der gesamten deutschen Bevölkerung im selben Zeitraum nur um 10,5 Prozent von 40,0 auf 44,2 Jahre zu – liegt also deutlich unter dem Alterszuwachs der Autokäufer.

Zwar ist der Anteil der deutschen Haushalte, die ein Auto haben, in den vergangenen Jahren mit gut 77 Prozent stabil geblieben. In den Altersgruppen und regional gibt es allerdings deutliche Verschiebungen. So zeigen Daten des Statistischen Bundesamtes, dass der Anteil der Pkw-Besitzer unter den 18- bis 25-Jährigen zwischen 2011 und 2016 von knapp 56 Prozent auf rund 40 Prozent gesunken ist. Ein Trend der sich auch für 2018 abzeichnet. In Berlin ist die Auto-Quote übrigens am niedrigsten. Laut Statistik verfügt nicht einmal jeder zweite Haushalt (49 Prozent) über einen Privatwagen.

Im Leben der Mehrheit der jüngeren Generation spielt das Automobil also nur noch eine Nebenrolle? Aber woran liegt das? Und wie soll die Automobilbranche auf diesen Trend reagieren? Bisher ist wissenschaftlich nur gesichert, dass junge Erwachsene weniger Auto fahren und damit »wesentlich pragmatischer« umgehen als ihre Eltern. Für das Warum gibt es bisher nur Indizien. Die vermutlich wichtigste Ursache ist, dass junge Leute heute andere Konsumbedürfnisse haben. Reisen und der Kauf des neuesten Handys haben höhere Priorität als ein Auto, dass die meiste Zeit sowie so nicht genutzt wird.

Der sinkende Anteil junger Leute an den Neuwagenkäufern sagt aber nichts über die Haltung junger Erwachsener zum Auto insgesamt aus. Auch die junge Generation will selbstbestimmt mobil sein, und dieser Wunsch verbindet sich bei vielen jungen Menschen nach wie vor mit der Idee, ein eigenes Auto zu besitzen. Hier kann die Automobilbranche ansetzen und junge Menschen von ihren Mobilitätskonzepten überzeugen.